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Meerschweinchengruppe

Die Kraft einer Sache oder Handlung liegt in deren Bedeutung
und im Verständnis, das wir dafür haben.

-Indianisches Sprichwort

 

Schlusswort


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Die Geschichte vom kleinen Meerschweinchen Hope Meerschweinchen Hope

Impressum

 

Meerschweinchen verstehen

 

Das Ursprungsverhalten des Meerschweinchens oder Back to the Roots: Die Beute und der Feind

 

Themenübersicht:

 

 


Die Hintergründe der Beziehung zwischen Meerschweinchen und Mensch


Will man eine Beziehung zu einem Meerschweinchen aufbauen, so darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Meerschweinchen und Menschen zwei völlig unterschiedliche Wesensansätze vertreten. Meerschweinchen sind Beutetiere. Ihr Überleben wird durch zwei Faktoren gesichert. Der erste Faktor ist überlebenswichtig und stellt die Flucht dar. Der zweite Faktor ist, dass sich die Tiere untereinander mit Hilfe von einer Lautsprache, beispielsweise Pfeifen und Quieken, und mit Hilfe der Körpersprache verständigen.

 

Wenn ein Feind in der Nähe ist, verstecken sich die Meerschweinchen und bewegen sich nicht. Sie verfallen in eine Art Starre. Die Strategie ist, nicht vom Feind entdeckt zu werden. Die Lautsprache der Meerschweinchen stellt eine Art Verständigungs- und Frühwarnsystem untereinander dar. Bei dem Menschen ist die Sachlage anders. Ihm bleiben zwei Optionen. Ist der Mensch eher klein und zierlich, so wird er wenn eine Gefahr droht, instinktiv weglaufen. Ist er stärker, so wird er auch mal die Konfrontation mit dem Gegner suchen. Diese Option entfällt bei den Meerschweinchen.

 

Ein Beispiel, bei welchem diese Situation bei Meerschweinchen verdeutlicht werden soll. Jedes Meerschweinchen rennt instinktiv weg, wenn es eine Gefahr befürchtet oder wenn es einen Laut hört, den es nicht einordnen kann. Wenn ein Meerschweinchen etwas nicht kennt, ergreift es zuerst mal die Flucht. Das soll folgende Geschichte verdeutlichen. Einmal habe ich an einem Spätsommernachmittag beobachtet, wie mein Vater es geschafft hat, ein Meerschweinchen von mir zu packen. Das Meerschweinchen befand sich in unserem Garten in seinem großen Auslauf.

 

Chili, ein Langhaarmeerschweinchen hat jedoch im Schreck, da es von oben gegriffen wurde, einen Teil seines Fells abgeworfen. Das Resultat daraus war, dass mein Vater nur noch einen Büschel von Chilis Fell in der Hand hatte. Chili hingegen war entkommen und hatte sich in ihrem schützenden Häuschen im Gehege verkrochen. Aus diesem Verhalten können wir ableiten, dass in der Natur so ein Schutzmechanismus das Meerschweinchen schützt.

 

Hintergrund dieses automatischen Verhaltens ist, dass es in dem natürlichen Lebensraum der Meerschweinchen Raub- und Greifvögel gibt. Das Meerschweinchen steht auf ihrem Speiseplan. Meerschweinchen sind für sie Beutetiere. So hat die Natur eine Schutzfunktion entwickelt, dass ein Meerschweinchen, selbst wenn es sich schon in den Krallen vom einem Raubvogel gefangen ist, sein Fell abwerfen kann. So hat das Meerschweinchen noch eine Chance zu entkommen.

 

Zudem sind Meerschweinchen mit einem sehr weiten Augenradius ausgestattet. Denn die optischen Achsen beider Augen bilden fast einen Winkel von 360 Grad. Damit können Meerschweinchen weite Teile der Landschaft überwachen. Wenn Gefahr droht können sie mit Hilfe ihrer Lautsprache ihre Gruppe rechtzeitig benachrichtigen. So herrscht in einer Meerschweinchengruppe ein sehr großer Zusammenhalt, der auch zum Überleben wichtig ist.


Ein Meerschweinchen versucht zuerst mal die Umgebung, in der es lebt, zu beurteilen. Es stuft in den Kategorien wie Bedrohlich oder Unbedrohlich ein.


Doch kommen wir noch einmal auf die Geschichte von oben zurück. Mein Vater wurde hier als Greifvogel eingestuft. Sein Angriff kam von oben. Chili, die normalerweise die Zutraulichkeit in Person war, hatte die rasche Bewegung von oben als einen Feind eingestuft. Das geschah innerhalb von Sekunden. Sie hat in diesem Moment nach ihrem Urinstinkt gehandelt. Chili dachte hier nicht daran, dass sie vielleicht nur hochgenommen werden würde und gestreichelt. Für sie war das eine reale Gefahr durch einen Feind von oben. Eben einem Greifvogel. So ist automatisch dieser Schutzmechanismus in ihr abgelaufen. Denn ihr Feind war sehr viel größer als sie und er hat sich auch ihr sehr schnell von oben genährt. Alles was aus ihrer Sicht, einen Angriff von einem Fressfeind ausmacht.

 

Das Verständnis für ein Meerschweinchen beginnt damit, dass die Liebhaber von Meerschweinchen sich mit den ursprünglichen Lebensbedingungen des Tieres vertraut machen...


Will der Liebhaber von Meerschweinchen seinen Liebling komplett verstehen, so muss er sich das Ursprungsverhalten des Meerschweinchens vor Augen führen. Der Freund des Meerschweinchens hat nun die Sicht aus den Augen des Meerschweinchens. Das ist der Schlüssel oder der Grundstein, dass man weiß, wie Meerschweinchen ticken. Doch was kann noch aus dem Sozialverhalten der Meerschweinchenabgeleitet werden?

 

Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere, sie brauchen einander

 

Da Meerschweinchen sich gegenseitig schützen, sind sie sehr soziale Tiere. Meerschweinchen sind aufeinander angewiesen und denken, dass sie nur zusammen stark sind. Das kann beobachtet werden, wenn Gefahr droht und die Meerschweinchen nicht ausreißen können. Hier drücken sich die Meerschweinchen eng aneinander. Es bildet sich eine Gruppe. Die Tiere rotten sich zusammen. Da jedes von ihnen dann eine Deckung hat, bieten sie dem Feind weniger Angriffsfläche. So sind sie mehr geschützt, als wenn sie einzeln da stehen.

 

Nur gemeinsam sind wir stark!

 

Deswegen wird auch die Gruppenhaltung oder die Haltung von mindestens zwei Tieren empfohlen. Von einer Einzelhaltung ist aus den oben ersichtlichen Gründen abzusehen. Das einzelne Tier würde verkümmern, weil es sich nicht mitteilen kann. Für Meerschweinchen ist auch ein Stallhase oder Kaninchen kein Ersatz. Die Tiere können sich auch pflegen und wissen ungefähr was sie sich mitteilen wollen, doch ein Kaninchen oder auch ein anderes Tier versteht nicht die Lautsprache von einem Meerschweinchen. Das Kommunikationssystem der Tiere ist ein völlig anderes.

 

So unterschiedlich kann die Verständigung von verschiedenen Tierarten sein...

 

Deutlich wird das bei einem Beispiel zwischen Hund und Katze. Hunde begrüßen sich immer untereinander, dass sie leicht ihre Vorderpfote anheben. Macht das beispielsweise ein Mensch mit einem Hund so reagiert der Hund freundlich und aufgeschlossen auf dem Menschen. Er wird als Freund eingestuft. Bei Katzen würde dies als Drohgeste verstanden. Selbst um auf den Hund zurückzukommen, würde der Hund die Geste von der Katze als freundlich einstufen. Kommt er dann weiter auf die Katze zu, so ist die Gefahr relativ hoch, dass er von der Katze eins über die Schnauze bekommen könnte. Doch das versteht dann der Hund nicht, denn aus seiner Sicht, hat die Katze ihn ja sehr freundlich begrüßt. So unterschiedlich drücken sich manche Tiere untereinander aus. Dabei kann es noch so gut von der anderen Seite gemeint sein, es wird missverstanden.

 

Kommunikation ist alles beim Meerschweinchen!


Unbekanntes Gebiet wird immer zusammen erforscht. In der Gruppe und hintereinander. So konnten sich die Meerschweinchen untereinander verständigen und es ging keines verloren. Dass die Gruppe intakt ist, wurde mit einer Art Dack, Dack–Laut, mit jeden Schritt erörtert. Das ist auch heute noch bei unseren Meerschweinchen auf Erkundungstour zu hören. Die Gruppe im Gänsemarsch führt immer das stärkste Tier des Rudels an. Blieb mal ein Tier der Gruppe zurück so machte es sich durch einen etwas höheren Fieblaut auf sich aufmerksam.

 

Heu, Heu und nochmals Heu


Weiter kann man aus der Umgebung der Meerschweinchen auf das Nahrungsangebot schließen. In den Anden gibt es überwiegend Gras. Es ist eine karge Landschaft, wo Wiesen und Berge sich abwechseln. Dort hat das Meerschweinchen gelernt, mit wenig Futter auszukommen. Gras wächst fast überall. So ist auch das Grundnahrungsmittel der Meerschweinchen Gras geworden. Getrocknetes Gras gibt es in Form von Heu überall zu kaufen. Deswegen sagen die Tierärzte, dass Heu das Hauptfuttermittel der Meerschweinchen ist und es immer frisch zur Verfügung stehen muss. Erst danach kommt das Frischfutter. Beim Heu ist noch darauf zu achten, dass es nicht verschmutzt ist und muffig riecht.


Einmal habe ich Heu gekauft, was zwar frisch und nach Heu gerochen hat, aber es waren Steine und Erde mit in der Verpackung. Teilweise waren auch schimmelige Teile vom Gras, welches nicht genug getrocknet war mit dabei. Wenn ich immer Heu kaufe, so rieche ich erst mal an die Verpackung, ob es frisch riecht und schaue mir genau an, ob Teile wie Steine in Heu sind. Auch sollte es einen großen Rohfasergehalt aufweisen. Also Grashalme, die etwas dicker sind, nicht so dünnes, gelbes Heu. Es sollte eine grüne Farbe besitzen. Das ist so eine Richtschnur, wonach ich mein Heu beurteile.

 

Bewegung ist wichtig und fördert die Gesundheit des Meerschweinchens


Da die Tiere auch im Freien leben, müssen sie um Futter zu finden, auch öfters mal weitere Strecken laufen. Sie bleiben dadurch flexibel und beweglich. Auch werden Meerschweinchen hier nicht dick, da es in der Natur ja nur das Hauptfuttermittel wie Gras oder Samen bzw. Holz für den Abrieb der Zähne (macht aber auch das roh faserhaltige Gras/Heu) gibt. Zudem wetzen sich auch optimal die Krallen der Tiere ab, da sie auch öfter scharren. Bei der Käfighaltung ist das leider nicht mehr gegeben. Sie müssen auf die Freiheit verzichten.

 

Das Hausmeerschweinchen, wie wir es heute vorfinden, benötigt ebenso viel Bewegung wie das Wildmeerschweinchen. Gründe wie Ausgeglichenheit, geringere Verfettung der Tiere, sowie Abwetzung der Krallen (was aber trotz Auslauf heutzutage schwer noch gegeben ist), Beweglichkeit und Flexibilität sprechen eine eindeutige Sprache. Viele Krankheiten, wie ein Ballenabszess, bei dem der zu lange Nagel in die Haut des Meerschweinchens einwächst oder den Ballen des Meerschweinchens entzündet, könnten so vorgebeugt werden. Krallenkontrollen sind trotzdem hier sehr wichtig und unerlässlich.


Optimal für die Tiere wäre ein täglicher Auslauf von einer Stunde. Doch die wenigsten Menschen schaffen dass, so in ihrem Alltag zu integrieren. Ich habe dem Abhilfe geschaffen, indem ich eine Plane (Deichfolie), die man falten kann, in eine Ecke des Zimmers lege. Unter die Folie habe ich weiterhin Zeitungen zur Sicherheit ausgelegt. Der Zimmerboden soll trocken bleiben. Danach habe ich vom Baumarkt eine kleine Beetumzäunung aus Holz gekauft, welche ich dann am Rand der Plane aufgestellt habe. Als nächsten Schritt habe ich Einstreu auf der Plane verteilt und ein Gehege mit Ästen, vielen Häuschen, Heu und einen selbstgemachten Baumstumpf gestellt.

 

Das Gehege hat eine Fläche von 1,5 Meter mal 1,5 Meter eingenommen. In so einem gestalteten Auslauf habe ich die Tiere dann den ganzen Tag, teilweise auch die Nacht belassen. Den kleinen Holzzaun mache ich auch mal auf, so haben die Tiere auch das Zimmer als Auslauf zur Verfügung und nutzen dies auch. Ich habe festgestellt, das die Meerschweinchen so viel ausgeglichener sind. Die Fußkontrollen bei den Tierärzten bestätigen mir das. Meine Tiere haben keine Druckstellen an den Pfoten und gesunde Füße.

 

Vieles kann von dem ursprünglichen Verhalten und Lebensraum der Meerschweinchen abgeleitet werden


Wie Sie jetzt schon sehen, kann viel davon abgeleitet werden, wie die Meerschweinchen ursprünglich gelebt haben.

 

Erfahrung macht schlau...


Genau dieses Wissen hat mich jahrelang begleitet. Durch dieses Wissen können Liebhaber von Meerschweinchen die Tiere besser einschätzen und beurteilen, wie sie wirklich ticken, was ihr wirkliches Wesen ausmacht und was nur Instinkte sind. Ich kann Ihnen das Verhalten der Meerschweinchen nur beschreiben wie es zu interpretieren ist. Doch bitte bedenken Sie, dass jedes Meerschweinchen ein Individuum ist. Jedes ist verschieden, keines ist gleich. Doch die Grundzüge sind bei vielen ähnlich.

 

Kommen Sie mit und lernen Sie Ihren kleinen Freund kennen!


Kommen Sie mit, ich nehme Sie bei der Hand und zeige Ihnen wie spannend , lustig und lieb diese wundervollen Tiere sind, wenn man sie erst einmal geknackt hat und ihr Vertrauen gewonnen hat. Doch eines muss ich noch vorweg nehmen. Die oben beschriebenen Verhalten sind für Meerschweinchen überlebenswichtig. Dass ein Meerschweinchen auch mal vor seinem Menschen flüchtet, kann schon mal passieren. Den Meerschweinchen rennen zuerst mal weg, wenn sie denken, dass da irgendetwas Bedrohliches sein könnte. Da kann ein Meerschweinchen noch so viel Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen.

 

Vertrauen als Basis für eine wundervolle Freundschaft


Es beginnt mit dem Entgegenlaufen zum Bezugsmenschen, das Herumtreten auf den Füßen des Menschen zur Begrüßung, bis hin zum Sitzenbleiben beim Menschen, selbst wenn die anderen Gruppenmitglieder weglaufen. Wobei das letzte Beispiel eigentlich völlig gegen die Natur des Meerschweinchens ist. Doch auch solche Fälle gibt es. Und die Basis hierfür ist: Vertrauen!


Genau so vielfältig können Meerschweinchen sein.

 

Oft denke ich, sie weisen menschliche Züge auf, obwohl sie nur "Tiere" sind. Denn untereinander haben sie Futterneid, streiten oder halten zusammen, wenn sie mal wieder das Außengehege versuchen zu knacken. Sie wollen ihren Menschenfreund zeigen, was sie Neues im Auslauf haben, wenn sie auf irgendetwas hinaufgeklettert und davon begeistert sind.

 

In diesem Sinne! Geben Sie Ihrem kleinem Freund eine Chance - es kann der Beginn einer wundervollen Freundschaft werden!

 


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